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Golf von Gaeta

Maranola ohne Wasser
Unsere Reiseziele

Ohne Wasser in Maranola

posted by Daniel 9. Juli 2016 0 comments

Wir haben kein Wasser mehr im Haus – alle Leitungen sind staubtrocken!

Das geht schon so seit heute Mittag und jetzt ist es beinahe Mitternacht. Ich sitze neben der Küche und warte bei offenem Hahn auf ein beruhigendes Nass oder wenigstens ein leises Gluckern. 

Es ist erstaunlich, wie uns so eine Leitungsstörung aus der Bahn werfen kann – vor allem (und zu Recht) mit zwei kleinen Kindern!

Dabei hatten wir noch Glück im Unglück. Gerade heute erstanden wir zufällig eine kleine Plastikmuschel für Emilia und Juna zum Planschen auf dem Dach. Die hatten wir zu 1/3 mit Wasser gefüllt.

Ohne Wasser

Eine Stunde später versiegten alle Leitungen und das Planschbecken ist quasi der einzige nennenswerte Wasservorrat, den wir noch haben. Ansonsten bleiben nur ein paar Flaschen Mineralwasser zum Trinken. Also haben wir den ganzen Tag höllisch aufgepasst, unsere Wasservorräte gut einzuteilen.

Bis heute Nachmittag hatten wir noch eine Spülungsladung in der Toilette. Das weiß man ja. Also sind alle Familienmitglieder, die keine Windel mehr tragen, hintereinander gegangen und der Letzte hat gespült. Ja, ich weiß, was Du jetzt denkst. Aber in der Not muss das sein.

 Kiki und ich sind seit Anbruch der Dürre ganz schön angespannt und entwerfen Notfallpläne, falls morgen früh immer noch kein Wasser da ist: Gehen wir ins Hotel? Versuchen wir einen Freund der Familie in der Gegend zu erreichen, um bei ihm zu duschen?

Ja, duschen. Wäre das schön!!

Bei der Körperhygiene hat uns die Wassersperre besonders blöd erwischt. Wir waren gestern nämlich den ganzen Tag unterwegs von Sardinien nach Maranola. Stressiger und schweißtreibender Reisetag: 2 Std. Auto – Flug – 2 Std. Auto!

Abends sind wir so spät angekommen, dass an eine Dusche nicht mehr zu denken war. Und weil wir alle so müde von der Reise waren, sind wir heute Morgen so spät aufgewacht, dass duschen vor dem Frühstück mit Baby und 4jährigem Fressmonster auch nicht drin war. Also haben wir erst mal in einer italienischen Bar gefrühstückt und sind dann einkaufen gefahren.

Und als wir mittags (während die Kinder schliefen) dann endlich den Reisestaub abwaschen wollten: Kein Wasser!!!!! Das kann man Pech nennen.

Was bedeuten schon Deadlines?

Übrigens liegt das ganze Dorf Maranola auf dem Trockenen. Wir haben herausgefunden, dass der Versorger, Acqualatina, versprochen hat, bis abends 20 Uhr das Leck in der Hauptleitung zu beheben. Tja, gleich ist Mitternacht. Hat wohl nicht so geklappt …

Während ich hier schreibe fängt der Hahn spärlich und unregelmäßig an, Wasser auszuspucken. Nichts Vertrautenerweckendes, aber ich bin sofort losgerannt und habe den größten Topf, den Putzeimer und zwei leere Wasserflaschen in die Spüle gestellt. Bei dem Tempo sind sie in ca. einer halben Stunde vollgelaufen.

Falls das Wasser nicht vorher wieder aufhört…

Aber der nächtliche Vorrat könnte uns morgen über den Tag bringen. Selbstverständlich weiter ohne eine Dusche! Nur für Toilette (Putzeimerwasser), Katzen- und Handwäsche (Topf- bzw. Flaschenwasser).

Mann, irgendwann muss der Wasserversorger das Wasser doch wieder anstellen!

Die können ja nicht ein ganzes Dorf mehrere Tage ohne Wasser lassen. Andererseits  – wäre es wirklich das erste Mal? 

Vor meinem geistigen Auge sehe ich uns schon in der Schlange vor den Wassertanklastern stehen, die man bei den Katastrophenberichten immer sieht.

Ein Teil von mir sagt: Ach, komm, Daniel! So ungefähr haben es die Menschen Jahrtausende lang gemacht: Wasser holen und horten. Dann sparsam nutzen für den notwendigsten Verbrauch.

Ein anderer Teil von mir schreit: Ich bin ein Vater, holt mich hier raus!!

Wir bleiben!

Natürlich könnten wir auch alles packen und ins Hotel in der nächsten Stadt ziehen. Aber das wäre eine nicht eingeplante Ausgabe, die ein Loch ins Reisebudget reißt. Und außerdem will ich das einfach nicht! Wir haben uns darauf gefreut, unseren beiden Töchtern Maranola und Formia zu zeigen, wie es meine Familie jetzt schon seit 40 Jahren kennt. Wir haben 60 Kilo Gepäck durch die engen Gassen eines mittelalterlichen Bergdorfes geschleppt und uns wohnlich und kindersicher eingerichtet. 

Das muss jetzt auch klappen und wir kapitulieren nicht!

Solange Emilia wegen des fehlenden Wassers keine Angstzustände und Weinkrämpfe kriegt, können wir noch eine Weile hier aushalten. Und Juna merkt das eh’ nicht mit der Wasserstörung. Zudem können wir ihren kleinen Zehnmonats-Körper auch am Ehesten noch mit dem Restwasser sauber halten.

Bei mir sieht das schon anders aus. Hm, denke ich gerade zu viel an mich?

Andererseits schlummern alle Mädels tief und fest während ich mir die Nächte um die Ohren schlage und Wasser sammele wie Frederik, die Feldmaus, Farben. Beim zweiten Nachdenken scheint mir das wiederum ein extrem schiefer Vergleich: Frederik saß im Sommer nur rum und „sammelte“ seine Farben mittels in die Gegend glotzen während andere Mäuse Essenvorräte schleppten und anlegten.

Und hier ich bin doch der Fleißige.

Wie-auch-immer, jedenfalls gibt es auch Widrigkeiten auf so einer großen Reise. Oder zählt die Ferienwohnung der eigenen Familie eigentlich nicht zur Reise?

 Dann wäre ja alles gut!