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Tafelberg mit Schwafelzwerg

posted by Daniel 14. April 2016 2 Comments
Tafelberg, Kapstadt

Wir sind heute mit Baby und Kind auf dem Tafelberg gewesen. Dort oben ist es rau, majestätisch, besinnlich und spirituell. Aber Emilia hat viele Fragen …

 

Das Tafelberg Hochplateau

Nachdem wir den Tafelberg, die Signature-Landmark von Kapstadt, schon seit Wochen als tollen Hintergrund bestaunen und lieben und wir lange um ihn herumgeschlichen sind, haben wir es heute gewagt. Wir sind mit den Kindern auf dem Hochplateau des Tafelberges gewesen!

Seit im Jahr 1797 Lady Anne Bernarnd als erste Frau den Tafelberg mit Ihrem Mann, zwei Marineoffizieren, 12 Sklaven und einigen Bediensteten bestieg, ist viel passiert in der Welt. Heute bekommt man mit dem komfortablen Table Mountain Aerial Cableway schon drei Frauen mit nur einem Träger und noch 61 chinesische Touristen in weniger als 10 Minuten auf das Plateau.

Tafelberg Seilbahn Collage Kapstadt

Oben angekommen eröffnet sich ein atemberaubendes und geradezu spirituelles Panorama: Auf die 12 Apostel-Bergkette, auf die „Mothertown“ Kapstadt und natürlich auf das unendliche Meer hinter Camps Bay.

Auch das Hochplateau selbst ist wundervoll anzusehen. Es besteht aus ehrwürdigen Gesteinsblöcken, die Wind und Wetter und früher mal das Meer bearbeitet haben, geduckten Büschen und grünen Moose. Unvermittelt fühle ich mich nach Wales oder Schottland versetzt. Oder ins kühle Sintra, wo die portugisischen Könige einst ihre Sommerresidenz bezogen.

Tafelberg Hochplateau Kapstadt

Der Tafelberg ist Teil des Table Mountain National Park, einem der wichtigsten Naturreservate der Welt. Hier allein gibt es mehr Pflanzenarten als in gesamt Großbritannien. Und viele dieser Arten sind ausschließlich in der Kapregion beheimatet. Wie schön wäre es, das alles zu erwandern, überlege ich.

Und da beinngt mein Geist bereits, sich vom Körper zu lösen und eins zu werden mit der ewigen Natur.

 

Die Chinesen

Aber davor muss ich nur noch einigen Chinesen erlauben, Emilia zu fotografieren, die auf einen Stein geklettert ist. Nachdem die Chinesen weitergezogen sind, bekomme ich wieder spirituelle Gefühle.

Gedanken von Kargheit, Vergänglichkeit und ewiger lebendiger Einheit ergreifen Besitz von mir und ziehen den Geist in die Ferne.

 

Emilia

Da zieht eine kleine Hand an meinem Ärmel.

„Daniel, was hast Du gerade gesagt?“

„Ich? Nichts.“

„Gerade in der Gondel“

„Vorhin in der Gondel?“

„Ja.“

„Äh, ganz viel. Was meinst Du denn genau?“

„Das mit den Männern. Das hast Du Kiki gesagt. Was mit den Männern, die den Weg hochgegangen sind.“

„Ach, die. Ich habe gesagt, dass die sicher bald platt sind, wenn sie so weiter machen.“

„Platt?“ Schräger Blick von unten hoch.

„Ich meinte, die Männer sind bald ganz müde, wenn sie in der Geschwindigkeit weiter hoch laufen. Die laufen zu schnell.“

„Aber Du hast platt gesagt.“

„Das sagt man nur so. Das soll heißen, die sind dann bald ganz müde und können nicht mehr.“

„Ach so.“

Nachdem ich Emilia auf den nächsten Felsen geholfen habe, schaue ich wieder in die Ferne. Die Wolken bilden gerade fantastische Formationen. Ich überlege, ob dies mit den berühmten Kapwinden zusammen hängt. Dann mache ich ein Foto und stelle mal wieder fest, dass sich Naturschauspiele nicht fotografieren lassen. Also beschließe ich, die Wolkenformationen mit allen Sinnen in mich selbst aufzusaugen. Wie von einem unsichtbaren Konzertmeister orchestriert bewegen sie sich in immer neuen anmutigen Formen.

Und da überkommt mich wieder diese Ahndung vom ewigen Tanz der Natur. Einfach glücklich!

Doch plötzlich ein spitzer Schrei!

Ich fahre herum und schaue in Emilias schreckgeweitete Augen.

„Ein Huuund! Papa, ich will hoch!! Iiih, schnell!“

„Emilia, das ist kein Hund. Und wenn das kleine Tier Dich sieht, kriegt es Angst und läuft weg.“

„Papa, Arm!“

„Moment, ich komme.“

„Was ist das?“

„Ich weiß nicht genau. So etwas wie ein Murmeltier.“

(Anmerkung: Spätere Nachforschungen haben ergeben, dass es sich um einen Klippschliefer handelte)

„Wohnt das hier?“

„Ich denke ja. Es ist jedenfalls nicht mit der Gondel hochgefahren.“

„Papa, gehen wir zurück zu dem Haus?“

„An dem die Gondel fährt?“

„Ja.“

„Wieso denn? Es ist doch total schön hier oben. Schau mal die Wolken.“

„Ja, schön. Aber Kiki und Juna sind da auch hin gegangen.“

„Weil es für Juna auf Dauer zu windig ist.“

„Ich will zu Kiki und Juna. Kriegen wir noch die letzte Gondel?“

„Emilia, hör mal, wir haben noch ganz viel Zeit. Die letzte Gondel fährt erst in mehr als einer Stunde und das Haus ist gleich da drüben.“

„Ich will aber trotzdem jetzt!“

Tafelberg Chinesen Tier Kind

In der Gondel kurz vor der Rückfahrt haben wir noch einmal einen grandiosen, sonnenuntergangsverklärten Blick auf Kapstadt und den südlichen Atlantischen Ozean.

Ich überlege: Wenn mich schon so ein touristischer Ausflug ins Verzücken versetzt, vielleicht sollte ich es dann doch mal Bergwandern versuchen. Immerhin werde ja auch bald Vierzig.

 

Ach, die ewigen Berge …

 

Panorama Tafelberg Kapstadt

 

Da schreit der Fahrer die bummelnden Chinesen vor der Gondel an: Pǎo, pǎo, jiá jí tut (dt. Lauf, lauf, die Gondel fährt los)!

 

Tja, hätte entspannter sein dürfen. Hat Dein Kind auch irgendwelche irrationalen Ängste (siehe Klippschliefer)?

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2 Comments

Laya 22. Mai 2016 at 20:54

Lieber Daniel …Ich lese nun schon seit einer Stunde den Reisebericht deiner knuffigen Familie und schreibe diese Zeilen während ich den Sonnenuntergang auf meinem Balkon bewundere. Nicht nur Kinder haben irrationale Ängste gerade deshalb bin ich sehr inspiriert von Eurer Elternzeitreise…danke dafür und habt eine tolle Zeit! Liebe Grüße Laya…PS: gern mehr von den Gesprächen mit Emilia. Einfach genial!!!

Reply
Daniel 23. Mai 2016 at 9:43

Hallo Laya, danke für Deine lieben Zeilen und Wünsche! Freut mich zu hören, dass Es auch auf dem Balkon in Deutschland schön ist. Ja, irrationale Ängste halten einen von viel zu viel ab. Möge Dich die Inspiration also weit tragen … 😉 Liebe Grüße

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